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Furniture Design

 
 

Stabellö

Die Stabelle ist ein traditioneller, im deutschsprachigen Alpenraum verbreiteter Stuhltyp. Aus Massivholz gefertigt, zeichnet er sich durch schräg gestellte Beine und eine in der Sitzfläche verankerte Rückenlehne aus. Seit Jahrhunderten in bäuerlichen Haushalten gebräuchlich, findet man ihn bis heute häufig in Gaststätten, Berghütten sowie in ländlich-rustikalen Wohnungseinrichtungen.


Stabellö nimmt wichtige Elemente des traditionellen Stuhles auf – Sitz und gedrechselte Beine sind weiter aus Massivholz –, interpretiert ihn an entscheidender Stelle jedoch neu: Um den Sitzkomfort zu verbessern, besteht die in zwei Varianten erhältliche Rückenlehne aus dreidimensional verformtem Schichtholz. Anders als bei der echten Stabelle wird sie nicht im Sitz verankert, sondern durch eine an der Rückseite des Stuhles deutlich sichtbare Verschraubung mit diesem verbunden. Zwei markante Löcher geben der Lehne ein «Gesicht» und fungieren nebenbei als Griffe.


Kommentar der Nominatoren

Eine spannende Neuinterpretation eines uralten Stuhltyps, die sich bereits durch eine erheblich funktionale Aufwertung rechtfertigt. Überzeugend gelungen wirkt auch der Versuch, dem Stuhl ein sympathisches Antlitz zu verleihen. Ein konstruktives Detail – die Verbindung der Rückenlehne mit dem Sitz – überrascht durch seine Ehrlichkeit und wird in der Zunft für Diskussionen sorgen. Das kann nicht schaden.


Comments by the Jury

In Zeiten des Retro-Designs ist es bereits erfrischend, wenn einmal nicht der X-te Klassiker aus dem 20. Jahrhundert, sondernwie

im vorliegenden Fall – ein viel älterer Möbeltypus, nämlich die im Alpenraum verbreitete Stabelle, zum Ausgangspunkt der Entwurfsarbeit gemacht wird. Der Stuhl Stabellö präsentiert sich als Neuinterpretation eines traditionellen Holzstuhles, der an

einem entscheidenden Stelle von seinem historischen Vorbild abrückt: in der Form und Konstruktion der Rückenlehne. Statt

einer starren, aus einem massiven Holzbrett gefertigten Lehne, verfügt Stabellö über eine ergonomische, dreidimensional verformte Sperrholzlehne, die zudem über eine leicht federnde Metallkonstruktion mit dem Sitz verbunden ist. Die dadurch erzielte, deutliche Verbesserung des Sitzkomfort rechtfertigt den Entwurf und überzeugte die Jury.